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06.11.2026 · Leitfaden zur Geräteauswahl · Technisches Team GOOGIO

Statische vs. dynamische Mischung: Auswahl für 2K-Dosieranlagen

Statische Mischer trennen das Material über den Förderdruck, dynamische Mischer über Motordrehzahl. Mischverhältnis, Viskosität und Standzeiten unterscheiden sich grundlegend. Eine Vergleichstabelle zeigt die Unterschiede, dazu gibt es eine Vier-Schritte-Auswahl und einen Test vor dem Serienstart.

Wechselt eine Linie das Klebstoffsystem und das Material kommt plötzlich ungleichmäßig heraus, liegt das oft nicht an der Dosieranlage selbst, sondern am falschen Mischrohr. Statische und dynamische Mischer führen A und B zwar beide durch eine Rohrstrecke, doch Antrieb, geeignetes Mischverhältnis und Wartungsrhythmus unterscheiden sich deutlich. Wer diese Punkte vor der Auswahl klärt, spart sich späteres Nachjustieren.

Statisches und dynamisches Mischrohr im Vergleich

Der Antrieb entscheidet über die Technik

Statische Mischer arbeiten passiv: Im Rohr sitzen feste Wendeln in wechselnder Links-/Rechtssteigung. Der Förderdruck schiebt den Klebstoff vorwärts, jede Wendel teilt, dreht und führt die Ströme wieder zusammen. Es gibt keine bewegten Teile und keine separate Stromversorgung.

Dynamische Mischer arbeiten aktiv: Ein Rotor im Mischraum wird vom Motor mit hoher Drehzahl angetrieben, oft über 1000 U/min, und zerteilt beide Komponenten durch Zwangsscherung. Die Kraft kommt vom Motor, nicht vom Fließdruck.

Kurz gesagt: statisch wird über die Struktur geschnitten, dynamisch über die Rotation verrührt.

Die Baulänge verrät die Bauart

Statische Mischrohre sind meist länger, üblich sind rund 38 cm; dynamische sind mit etwa 18 cm kürzer. Die Anordnung der Wendeln ist ähnlich – wechselnde Steigungen erzeugen Teilung und Wiedervereinigung. Der eigentliche Unterschied ist die Antriebsquelle: Fließdruck hier, Motordrehzahl dort.

Ein oft übersehener Punkt: Je länger das statische Rohr, desto höher der Druckverlust. Bei hochviskosen Klebstoffen muss die Förderpumpe diesen Widerstand zusätzlich überwinden, der tatsächliche Durchfluss bleibt dann unter dem Sollwert. Bei der Auswahl also Druckreserve einplanen.

Mischverhältnis und Viskosität geben den Rahmen vor

Statische Mischer eignen sich für nahezu gleiche Verhältnisse und niedrige Viskositäten, etwa 1:1 oder 2:1. Voraussetzung: Die Viskositäten beider Komponenten dürfen nicht stark abweichen. Ist eine dick und eine dünn, fließen sie unterschiedlich schnell, die Wendeln teilen sie nicht synchron, und das Ergebnis ist fleckig mit unvollständiger Aushärtung.

Dynamische Mischer sind genau für stark ungleiche Verhältnisse oder hohe Viskositäten gedacht – 4:1, 5:1, 10:1 bis 10:3 sind machbar. Hier ist das Harz dick und der Härter dünn; der Rotor schert schon beim Eintritt in den Mischraum und verteilt beide Komponenten gleichmäßig.

Verbrauchskosten: nicht nur der Stückpreis zählt

1:1-Klebstoffe lassen sich auch dynamisch mischen, doch auf Dauer rechnet sich das nicht. Der Mischkern läuft mit hoher Drehzahl, Wendelkern und Dichtungen verschleißen deutlich stärker als beim statischen Rohr. Bei Dauerbetrieb hält ein statisches Mischrohr etwa 15–30 Tage, ein dynamisches muss nach rund 7–15 Tagen getauscht werden.

Hinzu kommt ein oft unterschätztes Risiko: Der Mitnehmerhaken des dynamischen Mischers kann bei Dauerbetrieb ermüden und brechen. Bricht er im Mischraum, sind Reinigung und Stillstand teurer als ein ganzes Mischrohr. Mischkern, Dichtungen und Haken gehören daher in den Prüfplan – pro Schicht auf Geräusche und Vibration achten, wöchentlich zerlegen und prüfen.

KriteriumStatische MischungDynamische Mischung
AntriebFörderdruck, keine bewegten TeileMotor treibt Rotor mit hoher Drehzahl
Übliche Rohrlängeca. 38 cmca. 18 cm
Geeignetes Verhältnis1:1, 2:1 u. ä.4:1, 5:1, 10:1, 10:3 u. ä.
Viskositätniedrig bis mittel, beide Komponenten ähnlichhoch oder stark unterschiedlich
Standzeitca. 15–30 Tageca. 7–15 Tage
WartungsschwerpunktMischrohr planmäßig tauschenErmüdung von Mischkern, Dichtungen, Haken

Förderleistung und Prozesseignung

Beim reinen Durchsatz gibt es keinen wesentlichen Unterschied – die Geschwindigkeit bestimmt die Förderpumpe, nicht die Mischart. Entscheidend ist die Prozesseignung:

  • Füllstoffsysteme (Wärmeleitpulver, Aluminiumoxid, Glasfaser): hoher Scherbedarf, dynamisch ist stabiler, doch die Dichtungen verschleißen schneller – Prüfintervalle verkürzen.

  • Schnellkleber, kleine Chargen, viele Varianten: Statikrohre sind schnell getauscht und leicht zu reinigen, geringe Stillstandskosten.

  • Hochviskos mit langen Leitungen: Druckverlust im Statikrohr beachten, ggf. Rohr verkürzen oder Förderdruck erhöhen.

  • Kontinuierliche Großserie: nicht nur den Stückpreis vergleichen, sondern auch die Stillstandskosten für den Rohrtausch einrechnen.

In vier Schritten zur passenden Mischart

  1. Zuerst das Verhältnis. Bis 2:1 mit ähnlichen Viskositäten: statisch. Ab 4:1 oder bei deutlichem Viskositätsunterschied: dynamisch.

  2. Dann die Klebstoffeigenschaften. Hochviskos, gefüllt, zum Absetzen neigend: dynamisch ist stabiler. Niedrigviskos und schnell härtend: statisch ist pflegeleichter.

  3. Lebenszykluskosten rechnen. Stückpreis × Wechselhäufigkeit plus Stillstandskosten, nicht nur der Einkaufspreis.

  4. Wartungsfähigkeit vor Ort prüfen. Werkstätten ohne Prüfroutine und Ersatzteile setzen besser auf statisch, um ungeplante Stopps zu vermeiden.

Vor dem Start: ein Mischtest

Datenblätter geben nur die Richtung vor, entscheidend ist der Test mit dem echten Klebstoff. Drei Schritte genügen:

  1. Ein 10–20 cm langes Probestück abtrennen, längs aufschneiden und Farbe sowie Aushärtung prüfen – auf Streifen und Blasen achten.

  2. Über eine feste Zeit Material abfüllen und wiegen, mit dem theoretischen Verhältnis vergleichen und prüfen, ob die Dosierung driftet.

  3. Klebstoff- und Umgebungstemperatur notieren – Temperatur verändert die Viskosität, dieselben Parameter können im Winter und Sommer unterschiedlich wirken.

Keine Mischart ist grundsätzlich besser; entscheidend ist die Passung zu Verhältnis, Viskosität und Linientakt. Im Zweifel erst mit dem echten Klebstoff testen und dann Anlage und Mischrohr festlegen – das ist verlässlicher als eine Entscheidung nach Katalogdaten.

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